Zu Gast beim 17. Bangkok Chess Club Open 2017

Leon und ich nahmen am 17. Bangkok Chess Club Open 2017 teil. Das Turnier ist eines der größten Schachturniere in Asien und findet immer abwechselnd in Bangkok und einem touristisch erschlossenen Ort in Thailand statt. In diesem Jahr wurde die kleine Stadt Cha-Am ausgewählt, die ca. 170km südlich von Bangkok liegt.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Bangkok, wo ich mich an das Klima und die 5 Stunden Zeitunterschied zu Mitteleuropa gewöhnte, reiste ich nach Cha-Am, wo ich dann Leon traf. Er war schon länger in Thailand und hatte dadurch keine Probleme mit dem Klima.

Das Hotel hatte eine angenehme Größe, und die Lage direkt am Strand war perfekt. Es gab 2 klimatisierte Spielsäle, 2 Swimming Pools und es gab viele andere Freizeitangebote. Somit war das erste Ziel, einen entspannten Urlaub zu verbringen, beinahe schon erfüllt.

Bangkok Chess Club Open: Das Hotel in Cha-Am ließ keine Wünsche offen
17. Bangkok Chess Club Open 2017: Das Hotel in Cha-Am ließ keine Wünsche offen

Vor dem Turnier

Leons Ziel war klar: Er wollte mit einer guten Elo einsteigen. Ich dagegen wollte mindestens gegen einen starken Spieler kommen, am besten einen Großmeister, denn in meiner Karriere gelang dies mir noch nie. Außerdem wollte ich einen Platz in der Nähe meines Startrangs erreichen.

Ein Blick auf die Teilnehmerliste verriet, dass ich etwa in der Mitte gesetzt sein würde. Nach Ende der Registrierung wurde klar, dass ich ganz knapp in der oberen Hälfte gesetzt bin. Ich hatte wenige Elo-Punkte zu viel, um gleich in der ersten Runde gegen einen Top-Großmeister zu kommen.

Das Open Tournament spielte in der Grand Hall
Das Open Tournament spielte in der Grand Hall

Runde 1 bis 3 – Auftakt

Zum Auftakt kam ich also nicht gegen einen bekannten Großmeister, sondern gegen Christopher Lee, einen Malaysier ohne Elo. Ich erreichte eine gute Stellung, verpasste aber zumindest an einer Stelle die beste Fortsetzung. Die Partie endete dann in einem Dauerschach. Zum Auftakt also nicht das schlechteste Ergebnis.

So dachte ich zumindest. Denn in Runde 2 kam ich gegen einen achtjährigen Singapurer, der zuvor gegen einen dänischen Spieler mit Elo 2000+ Remis gehalten hatte. Glücklicherweise berechnete er an einer Stelle eine Variante falsch, so dass ich eine Qualität ergattern konnte und das Endspiel für mich entscheiden konnte. Später stellte sich heraus, dass er (wie einige andere auch) vom deutschen Großmeister Gerhard Schebler trainiert wird.

In Runde 3 spielte ich gegen die chinesische internationale Meisterin Qiu Mengjie. Es war eine spannende Partie, und ich spielte stark, aber sie spielte besser, so dass sie das resultierende Endspiel gewann. An der Analyse nahmen verschiedene Spieler teil. Zwar konnte nicht jeder Chinese so gut englisch wie Mengjie, aber man konnte sich dennoch verständigen.

Leon konnte gleich seine erste Partie gewinnen. In den nächsten 2 Runden wurde er mit Schwarz schon in der Eröffnung in Schwierigkeiten gebracht und verlor jeweils.

Intermezzo – GM-Seminar

An dem Blitzturnier nahmen wir nicht teil. Es erschien uns zu viel. Dafür meldeten wir uns für das GM-Seminar, und Leon auch für den GM-Workshop, an. Der Referent war der dänisch-schottische GM Jacob Aargaard. Er gehört einem kleinen Kreis von Trainern an, die die 4 bedeutendsten Auszeichnungen für Schachtrainer erreicht haben. Zu seinen Schützlingen gehören viele Großmeister, darunter der amerikanische Schacholympia-Sieger GM Samuel Shankland.

In insgesamt 3 Stunden präsentierte er uns, wie man die richtige Strategie findet und umsetzt. Danach stand er noch für eine ausführliche Fragestunde zur Verfügung. An diesem Tag gingen wir mit rauchenden Köpfen, aber auch vielen neuen Ideen nach Hause.

GM Jacob Aagaard ist ein renommierter Trainer
GM Jacob Aagaard ist ein renommierter Trainer

Runde 4 bis 6 – GM in Sicht

Mit 1,5 Punkten aus 3 Partien war die Frage, welchen Gegner ich nun erhalten würde: Entweder einen der stärksten oder einen der schwächsten Spieler. In Runde 4 wurde die Frage mit einem starken Gegner beantwortet: Jasper Rom von den Philippinen hatte nur knapp gegen Niclas Huschenbeth verloren. Gleich in der Eröffnung erlaubte ich mir einen strategischen Fehler. Jasper bewies positionelles Feingefühl und nutzte den Fehler in der Folge konsequent aus, wodurch ich verlor. Auch in späteren Partien bewies er positionelles Geschick. Übrigens spielten viele gute Spieler aus den Philippinen mit. Viele von ihnen trugen Kleidung in ihren Nationalfarben und waren immer gut zu erkennen.

In Runde 5 war ich gegen den Franzosen Nicolas Noel, der in Thailand lebt, Favorit. Sein gewähltes Gambit konnte ich verteidigen und das Endspiel gewinnen.

Also hatte ich wieder 50%. Und als Gegner wurde mir diesmal der indische Großmeister Bakre Tejas zugelost. Volltreffer! Wieder einmal spielte ich die Eröffnung eher schlecht, und der Inder nutzte sofort die Chance zum Angriff. Aber auch er spielte nicht perfekt, so dass ich mich mit den besten Zügen hätte hartnäckiger verteidigen können. Der Konjunktiv verrät: An der entscheidenden Stelle habe ich ein Opfer überschätzt und einen Schlagzug ausgelassen. Die Stellung sah zwar noch trickreich aus, aber in Wirklichkeit konnte er sie sauber zu Ende spielen. Dennoch war es für mich ein Erlebnis!

Beginn der Partie gegen GM Bakre
Beginn der Partie gegen GM Bakre

Leon drückte wieder aufs Gaspedal und zerlegte in Runde 4 einen Spieler aus Hong Kong. Auch Runde 6 konnte er gegen Detlef Tobor, einen Deutschen gewinnen. Dazwischen verlor er gegen einen australischen Fide-Meister. Die Stellung wäre ziemlich unklar gewesen, hätte er im 40.Zug nicht einen Bauern verloren.

Runde 7 bis 9 – Endspurt

Bisher hatte das Bangkok Chess Club Open Spaß gemacht, erreicht hatte ich jedoch wenig. Das sollte sich nun mit dem Endspurt ändern. Den Auftakt des Schlussspurts machte die Partie gegen einen Spieler aus Hong Kong. Die Eröffnung spielte ich wieder einmal zu passiv, wodurch ich viel Gegenspiel zuließ. In der Zeitnotphase konnte ich aber das Ruder noch einmal herumreißen und die Partie gewinnen.

Also wurde in Runde 8 wieder die 50%-Frage gestellt. Diesmal bekam ich einen nominell leichten Gegner: Ein elfjähriger Spieler aus Singapur. Wer wohl sein Trainer sein würde? Singapur ist derzeit auf dem Weg der Bildungsoffensive: In der aktuellen PISA-Studie belegen sie den Spitzenrang vor allen anderen OECD-Ländern. Viele Singapurer erhalten Privatunterricht, Schach gilt als ideales Hobby, Training als Basis für den Erfolg. Ich war also gewarnt. Die Partie verlief plangemäß, bis ich in der Zeitnotphase einen Bauern einstellte. Ich musste mich strecken, um noch das Remis zu erreichen, was aber auch gelang.

Also ging ich auch in die Schlussrunde mit 50%. Mein Gegner lautete hier Maxim Naumov, ein Russe ohne Elo, der aber immer in meiner Nähe spielte. Ich schätzte ihn also etwa gleich stark ein. Die Eröffnung spielte ich zu passiv. Ich konnte aber viele Figuren tauschen, wodurch das Spiel verflachte. Mit dem Remis waren wir dann beide zufrieden.

Leon konnte einen weiteren Sieg gegen einen Australier einfahren. Gegen den Iren Michael Welsh und die Philippinerin Christy Bernales hätte durchaus ein Remis herausspringen können, aber er verlor diese Partien.

Leon am Zug in der 8.Runde
Leon am Zug in der 8.Runde

Fazit

Auch wenn ich ein paar Punkte verloren habe, war das Turnier für mich in Ordnung. Ich hatte einen Spitzenspieler, und mit 4,5 Punkten aus 9 Spielen kann ich zufrieden sein. Außerdem konnte ich Leon gut unterstützen.

Leon spielte von Beginn an fokussiert. Alle seine Gegner hatten mindestens eine Elo von 1900 Punkten. Mit 4 Punkten aus 9 Partien steigt er voraussichtlich mit einer Elo von 2016 ein. Auch seine DWZ wird einen Sprung nach oben machen. Er hat wichtige Erfahrungen auf diesem Spielstärkeniveau sammeln können.

Die Schlusstabelle bei chess-results.com

Zu den erfolgreichsten Elo-Jägern zählten neben Singapur auch Indien. Punktelieferanten waren u.a. Australien und auch Deutschland.

Loben muss man die Turnierorganisation des Bangkok Chess Club Open für das Rahmenprogramm und die exzellenten Spielbedingungen und die Turnierleitung, die das Turnier jederzeit im Griff hatte. Aber auch die Spieler trugen zu diesem schönen Turnier bei. Ich hatte Gegner aus 8 Nationen, und mit allen war ein freundschaftlicher Umgang möglich.  Meines Wissens gab es im gesamten Turnierverlauf keinen echten Streitfall. Bei diesem sehr internationalen Turnier wurde das Motto des Weltschachverbands FIDE gelebt: gens una sumus (Wir sind eine Familie)

Die Turnierorganisation hat ein schönes Turnier aufgebaut
Die Turnierorganisation hat ein schönes Turnier aufgebaut

Und sonst

Natürlich haben wir uns auch auf den finalen Mannschaftskampf vorbereitet. Laut der Meldung vom 1.April wird der Aufstieg der 1.Mannschaft am Snookertisch entschieden. Also haben wir nicht nur 8-Ball- und 9-Ball-Billard gespielt, sondern eben auch Snooker. 

Leon am Snookertisch
Leon am Snookertisch

Songkran

Nur am Rande haben wir das Songkran-Fest, das buddhistische Neujahr in Thailand, miterlebt. Songkran ist ein wichtiger Feiertag in Thailand und steht auch für Erneuerung und Reinigung. Daher ist es Brauch, eine Buddha-Figur und auch Freunde mit reinem Wasser zu beträufeln. Mit den Jahren hat sich dieser Brauch aber verselbständigt: Mit Eimern und Wasserpistolen wird ein jeder bespritzt und mit Talk angemalt. Songkran ist ein Riesenspaß, bei dem auch Touristen gerne mitmachen. Gerade, wenn das Bangkok Chess Club Open in Bangkok stattfindet, werden auch Schachspieler Teil von Songkran. In Cha-Am aber war nicht viel von dem Trubel zu spüren.