Spielbericht Hattersheim - SFK1

Am 5. Spieltag fuhren wir nach Hattersheim, um mit einem Sieg unseren Tabellennachbarn auf Distanz zu halten, während unsere Gegner naturgemäß genau das verhindern wollten.

Beide Mannschaften traten annähernd mit ihrer Stammbesetzung an, so dass sich an allen Brettern fast gleichstarke Gegner gegenüber saßen. Es war ein spannender Wettkampf zu erwarten.

Obwohl ich mitten im Drama saß, ging das wesentliche Geschehen an mir vorbei. Mir saß am Brett Tobias gegenüber, der seine Jugend- und Lehrjahre bei uns verbracht hat. Er übernahm in der Eröffnung bereits die Initiative, griff dann allerdings fehl. Anstatt seinen Stellungsvorteil besonnen auszubauen, ließ er sich durch einen (vermeintlichen) Materialgewinn verleiten. Der folgende kurze taktische Schlagabtausch ging mit zwei Leichtfiguren gegen T+B zu meinen Gunsten aus. Mit meinem Läuferpaar und der Dame attackierte ich den gegnerischen König. Doch Tobias starke Gegenwehr erforderte dann meine volle Konzentration, so dass ich erst nach 19:00 Uhr den vollen Punkt einfahren konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Partie für das Mannschaftsergebnis allerdings bereits bedeutungslos geworden.

Was war geschehen?

Andreas war in einem harmlos aussehenden Endspiel mit T+L+2S+4B auf beiden Seiten gelandet. Allerdings standen seine beiden Springer unkoordiniert am Rand. Das erkannte sein Gegner und konnte mit wenigen unspektakulären aber sehr genauen Zügen einen der Springer erobern und damit den ersten Punkt für Hattersheim einfahren.

Alex verzichtete zu Beginn des Mittelspiels auf die Sicherung seines Königs und startete zuerst mit dem Bauernvorstoß nach h4 und später mit g4 einen stürmischen Angriff gegen den gegnerischen König. Sein Gegner verteidigte sich nervenstark und sehr besonnen. Nun versäumte Alex (Wem ist das nicht selbst schon passiert?), den Angriff rechtzeitig abzublasen und mit einem Minusbauern bei besserer Entwicklung zufrieden zu sein. Stattdessen opferte er Material und stand mit einem Minusturm da, als alle Drohungen abgewehrt waren und musste die Partie aufgeben.

Dann gab es auch Punkte für uns.

Lars hatte im 25. Zug mit jugendlichem Elan einen Bauern geopfert. Er erzielte damit keinen konkreten Vorteil, sondern brachte erhebliches Leben in die Partie. Bereits zwei Züge später machte sein Gegner den ersten, wenig später den zweiten Fehler, der dann zur Aufgabe führte.  

Die Partie von Marcel war in der Zwischenzeit nach einigen Irrungen und Wirrungen mit Remis geendet. Marcel gab Dauerschach. Offenbar war er froh, nach einem vorübergehenden Qualitätsverlust den Remis-Hafen erreicht zu haben.

Zur Halbzeit stand es ausgeglichen 2,5 : 1,5 mit guten Gewinnaussichten in meiner Partie.

Doch dann fiel die Entscheidung zugunsten der Hattersheimer.

Am Spitzenbrett hatte Frank auf d6 einen gedeckten Freibauer installiert, der im Endspiel die Entscheidung bringen sollte. Auf der anderen Seite hatte sein Gegner alle seine Figuren auf den weißen König in Stellung gebracht, um es gar nicht erst bis ins Endspiel kommen zu lassen und er sollte damit Recht behalten. Frank gelang es nicht, seine Figuren für eine wirkungsvolle Verteidigung zu koordinieren. Er konnte den Angriff nicht aufhalten und musste im 39. Zug aufgeben. 

Jürgen hatte um den 30. Zug herum eine aussichtsreiche Stellung, allerdings kaum noch Zeit auf der Uhr. Da opferte sein Gegner eine Leichtfigur, um Jürgens König an die frische Luft zu befördern. Das war objektiv gesehen sicher nicht begründet, aus spieltaktischen Gründen aber sehr wohl. Die Verteidigung in einer offenen Stellung gegen verschiedene Drohungen ist immer sehr schwierig, mit schwindender Bedenkzeit nimmt die Fehleranfälligkeit erheblich zu. So kam es auch: Jürgen übersah ein zweizügiges Matt. Damit war der Mannschaftskampf entschieden.

Stephan‘s Gegner bot dann in einer für ihn vorteilhaften Stellung Remis an, das Stephan natürlich annahm.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass die Hattersheimer aufgrund ihrer enormen Kampfeskraft und Nervenstärke verdient gewonnen haben.

Endstand: 5 : 3

Eine Auswahl der entscheidenden Situationen gibt es in der Partienachlese:

https://www.schachfreunde-kelkheim.de/partien-studien-probleme/partienachlese-zur-5runde

Den sehr guten und ausführlichen Bericht aus Hattersheimer Sicht findet ihr hier:

http://www.schachclub-hattersheim.de/schattSites/Saison2018_19/Kelkheim.pdf