SFK1: Dramatisches Unentschieden in Lorsch

Am ersten Spieltag im neuen Jahr fuhren wir mit dem Vorsatz nach Lorsch, dem bisher verlustpunktfreien Tabellenzweiten wenigstens einen Mannschaftspunkt abzunehmen.

In der Vergangenheit waren es gegen die Lorscher immer heiß umkämpfte Duelle mit knappem Ergebnis. So war es auch diesmal.

Der Start erfolgte recht verhalten: Nach drei Kurzremisen stand es 1 ½  : 1 ½.

Mein Gegner konnte mit Weiß keinen Vorteil erreichen und bot bald Remis an, das ich annahm.

Am zweiten Brett machte Manfred E. mit den schwarzen Steinen ein taktisches Remisangebot, dass sein Gegner überraschend akzeptierte.

Frank W. fühlte sich in seiner Stellung nicht wohl und bot ebenfalls Remis an. Sein Gegner nahm an, obwohl er – wie die nachträgliche Analyse zeigte – durchaus in Vorteil kommen konnte.

Danach ging es jedoch zur Sache: Marcel schickte die drei Bauern, die normalerweise seinen König schützen sollen, zum fulminanten Angriff auf den gegnerische König nach vorn. Ich war mir nicht sicher, ob dieser Bauernsturm tatsächlich stellungsgerecht war. Das Ergebnis bestätigte jedoch die Berechtigung dieses Überfalls: Marcels Gegner fand keine ausreichende Verteidigung und lief letztendlich sogar noch in ein Matt.

Damit gingen wir theoretisch in Führung. Praktisch war es jedoch nur der Ausgleich, denn Stephan war mit einer Leichtfigur weniger auf verlorenem Posten. Er hatte in der Eröffnung kompensationslos einen Bauern verloren und wollte nun in einem taktischen Gemetzel das materielle Gleichgewicht wiederherstellen. Das ging jedoch daneben. Er spielte dann noch einige Zeit weiter, bevor er den aussichtslosen Kampf aufgab.

Inzwischen stand bei Jürgen das Brett in Flammen. Seine Königsstellung war völlig entblößt. Seinem  Gegner unterlief jedoch auf der Suche nach dem finalen Schlag ein Fehler. Marcel wies nach der Partie darauf hin, dass es für Jürgen einen Springerzug gab, der gleichzeitig der angreifenden gegnerischen Dame den Weg versperrte und der eigenen Dame die Diagonale zum generischen König öffnete. Das hätte zum Sieg für Schwarz (Jürgen) führen können.

Leider sah Jürgen diese Möglichkeit nicht und Lorsch führte  3 1/2 : 2 1/2.

Noch war alles offen. Frank S. und Horst spielten noch. Beide Partien standen materiell gleich, jedoch mit leichtem Stellungvorteil auf unserer Seite.

Frank S. war nach 19:00 Uhr in einem Endspiel mit T + 4 weit verstreuten Bauern auf jeder Seite gelandet. Ihm gelang es mit umsichtigen Spiel, seinen Turm effektiv in Szene zu setzen. Er postierte ihn auf c5, wo er alle seine Bauern schützen konnte und selbst gedeckt war. Danach konnte sich Frank in aller Ruhe auf die Eroberung des gegnerischen h-Bauern konzentrieren und seinen eigenen Randbauern siegbringend zum Umwandlungsfeld führen. Das war eine strategische Glanzleistung und der Nachweis, dass nicht alle Turmendspiele remis enden!

Beim Stand von 3 ½ : 3 ½ hatte Horst nun die schwere Aufgabe, vor den Augen aller Spieler die alles entscheidende Partie zum glücklichen Ende zu bringen. Er hatte L + 5 B gegen S + 5 B mit 3:2 Bauernmehrheit am Damenflügel, während sein Gegner die Bauernmehrheit am Königsflügel besaß. Der Läufer mit seinen weit vorgerückten Bauern schien dem Springer deutlich überlegen zu sein. Horst fand bei knapper werdender Bedenkzeit jedoch nicht den konkreten Weg, diesen Vorteil in einen Sieg umzuwandeln. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, dass die Partie noch kippen kann.

Mit dem vereinbarten Remis konnten dann aber zum Schluss beide Seiten zufrieden sein.

Endstand: 4 : 4