Zurück beim 18. Bangkok Chess Club Open 2018

Dem mitteleuropäischen Winter entfliehen und unter Palmen ein gemütliches Turnier mit Schachspielern aus der ganzen Welt spielen. Nachdem ich schon im Vorjahr am 17. Bangkok Chess Club Open teilgenommen hatte, zog es mich wieder nach Thailand. Lest hier einen nicht alltäglichen Turnierbericht.

Zurück in Cha-Am

In den ersten 17 Ausgaben des Turniers wechselte jährlich der Austragungsort. Der Veranstalter, der Bangkok Chess Club, hatte bislang zwischen einem Ort in den touristischen Gebieten Thailands und der Metropole Bangkok (meistens spielte man im berühmten Dusit Thani Hotel) gewechselt. Dies war in diesem Jahr anders: Das Turnier kehrte in den kleinen Ort Cha-Am zurück, dorthin, wo schon im Vorjahr das Turnier stattgefunden hatte. Etwa 170 km südlich von Bangkok, etwas abgelegen von den Touristenströmen, hieß das Regent Cha-Am Beach Resort Schachspieler aus rund 40 Ländern willkommen.

Das Cha-Am Beach Resort war der Austragungsort
Das Cha-Am Beach Resort war der Austragungsort des 18. Bangkok Chess Club Open

Songkran – das buddhistische Neujahr

Wie viele der Teilnehmer reiste ich einige Tage früher an, um mich zu akklimatisieren. War ich an Ostern noch Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgesetzt, erwartete mich in Thailand eine angenehme Wärme um die 35°. Natürlich wollte ich auch den Jetlag und die 5 Stunden Zeitunterschied berücksichtigen. Aber ich wollte auch Songkran, das buddhistische Neujahrsfest, nicht verpassen. Es fiel in diesem Jahr auf die Tage vor dem Turnier. Über die Festtage bekleideten sich die Thailänder mit knallbunten Hemden, und natürlich durfte das traditionelle gegenseitige Bespritzen mit Wasser nicht fehlen (Einen guten Eindruck vermittelt z.B. ein Video von Street-Food-Experte Mark Wiens, der Songkran in Bangkok erlebt).

Bangkok Chess Club Open 2018

Am Hauptturnier, dem Open, nahmen 200 Spieler aus 37 Ländern teil, darunter 15 Großmeister. Zu den Favoriten gehörten neben den Stammgästen Jan Gustafsson und Nigel Short auch Hrant Melkumyan, Diego Flores, der kurz zuvor das Dubai Open gewann, und der Australier Anton Smirnov. Leider tauchte der vorangemeldete Alexander Morozevich nicht auf. Der Russe mit dem kreativen Spielstil hätte das Turnier bereichert.

Mein Turnier in Kürze

Mein Turnier verlief nicht wunschgemäß, obwohl ich diesmal besser auf die kühlen Temperaturen im Turniersaal eingestellt war und mir warme Kleidung mitbrachte. Mein Eröffnungswissen wies einige Lücken auf, dazu war ich in taktischen Stellungen nicht auf der Höhe. Gegen stärkere Gegner (die in Katar lebende kasachische Großmeisterin Mariya Sergeyeva oder den Chess Drummer Justus Williams) war ich auf verlorenem Posten.

Jedes Brett hat Namensschilder und eine Landesfahne
Jedes Brett hat Namensschilder und eine Landesfahne

Ansonsten hatte ich viele Duelle mit jungen Talenten. Insgesamt 8 von 9 Gegnern waren jünger als ich. In Asien ist Schach das Spiel der jungen Generation. Viele der asiatischen Teilnehmer vor Ort waren Jugendspieler. Oft waren sie unterbewertet, da das Turnierangebot in Asien nicht viele Spielmöglichkeiten hergab. Nun ja, meine Gegner spielten stark und ich schwach, und so wurde das Turnier zu einer Jugendförderung der unfreiwilligen Art.

Ein Indonesier überrascht

An der Spitze gab es ebenfalls die eine oder andere Achterbahnfahrt. Jan Gustafsson hätte beinahe das Turnier in der ersten Runde in den Sand gesetzt, konnte sich aber noch retten. Seine Ambitionen musste er später nach einer schmerzhaften Niederlage gegen Anton Smirnov zurückstecken. Seinen Turnierverlauf dokumentierte er bereits in einer Opening Clinic auf Youtube.

Vorjahressieger Nigel Short hatte ein hartes Turnier. In Runde 2 stand er sehr schlecht gegen einen alten Bekannten aus dem Vorjahr, den Japaner Kenji Hiebert. Doch der Altmeister trickste ihn aus, und Kenji spielte infolge dessen ein miserables Turnier. Armer Kenji! Aber auch Nigel Short erging es nicht besser: Gegen den elfjährigen Inder Gukesh (Elo 2401) stand er im Endspiel auf Gewinn, vergaß aber, die Uhr zu drücken.

Unterdessen spielten sich 2 Indonesier in die Spitzengruppe. Ich kannte sie vom täglichen Frühstück, dort tauschten wir einige Worte aus. Pitra Andyka gewann gegen einige stärkere Spiele, hielt remis gegen Jan Gustafsson. In der Schlussrunde verlor er jedoch. Noch viel besser lief es bei Novendra Priasmoro. Er gewann Spiel für Spiel, vor allem der Sieg gegen Hrant Melkumyan war spektakulär. In der Schlussrunde hielt er mühelos remis gegen Nigel Short und gewann damit das Turnier.

Das Turnierpartien gibt es auf Chess24, die Ergebnisse kann man u.a. auf chess-results.com nachlesen.

Ein Blick durch den Turniersaal
Ein Blick durch den Turniersaal

Fazit

Mein schachliches Ergebnis war dürftig. Ich weiß nun, wie deutsche Spieler sich bei Jugend-Weltmeisterschaften fühlen müssen, wenn ihnen reihenweise die Elo-Punkte entschwinden. Ansonsten hielt der Urlaub alles, was ich erwartet hatte. Sommerliche Temperaturen, ein traumhafter Strand, Massage, freundliche Thailänder, freundliche Schachfreunde aus aller Welt – die positiven Dinge überwiegen klar. Übrigens traf ich Schachspieler des FC St.Pauli, mit denen ich die Abende verbrachte. Sie organisieren in diesem Sommer ein großartiges Turnier im Ballsaal des Stadions „Am Millerntor”. Dieses Turnier dürfte ein besonderes Ambiente haben. Ich empfehle es euch, falls ihr in Deutschland auf der Suche nach außergewöhnlichen Turnieren seid.

Ein Sonnenuntergang ist immer farbenfroh
Ein Sonnenuntergang ist immer farbenfroh